Geben und Nehmen

Gedanken zu einem allgemein gültigen Prinzip.

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Geben und Nehmen, das ist wohl eine allgemein gültige Grundlage für menschliches Miteinander. Jedenfalls sehe ich es so. Geben kann man vieles, und sei es nur ein Lächeln. Und wenn man gerade keines hat, dann hilft schon das Lächeln eines Andern, das man “nehmen” kann, dabei, einen schweren Tag zu überstehen.

Geben und Nehmen, dass ist das Gegenteil von “Geiz ist geil”, das Gegenteil von “Ich! Ich! Ich!”[1]

Einfach mal einen anderen Blickwinkel versuchen (Foto: © Harald Bischoff - mad.ag)

Geben und Nehmen ist ein schönes Lebensprinzip, das – kaum jemand wird da widersprechen – sich wunderbar als Grundlage für ein menschliches Miteinander eignet, ähnlich wie leben und leben lassen.

Und man kann es auch als das grundlegende Prinzip hinter den Creative-Commons-Lizenzen sehen.

Und damit bin ich doch schon bei meinem Thema: “Wikipedia-Bilderklau – Was ist denn so schlimm daran?” so lautet der Titel dieses Blogs, und gemeint ist natürlich, was denn so schlimm daran ist, wenn jemand ein Bild von Wikipedia nimmt und selbst weiter verwendet?

Daran ist – um das mal ganz deutlich zu sagen – überhaupt nichts schlimm. Wenn, und das ist die zentrale Einschränkung: Wenn dabei das Prinzip Geben und Nehmen eingehalten wird. Nun gut, für Haarspalter: Es muss hierbei natürlich Nehmen und Geben heißen, denn zunächst nimmt man ja das Bild, und soll dann später dafür etwas geben.

In allen sechs Varianten der Creative-Commons-Lizenzen heißt es dann auch (in der Präambel): “Durch die Ausübung eines durch diese Lizenz gewährten Rechts an dem Schutzgegenstand erklären Sie sich mit den Lizenzbedingungen rechtsverbindlich einverstanden. Soweit diese Lizenz als Lizenzvertrag anzusehen ist, gewährt Ihnen der Lizenzgeber die in der Lizenz genannten Rechte unentgeltlich und im Austausch dafür, dass Sie das Gebundensein an die Lizenzbedinungen akzeptieren.”[2]

Dies steht da so in trockenem Ton, aber dennoch allgemeinverständlich – keineswegs in übermäßig abstraktem Juristen-Deutsch: Hier gilt Nehmen und Geben.
Und das wird durch diese Worte sofort klar. Auch wenn man noch nicht genau weiß, was mit ‘Schutzgegenstand’ gemeint ist (beispielsweise kann das ein Foto sein), und selbst ohne dass man sich zunächst die erwähnten Lizenzbedingungen im Detail anschaut. Oder vielleicht blickt man nur mal kurz in die so genannte ‘vereinfachte Zusammenfassung’, hier beispielhaft für die Lizenz CC-BY 3.0.

Und dass es hier – bereits in der Definition der Lizenz – um ein Geben und Nehmen geht – ich verwende den Grundsatz jetzt wieder aus meiner Sicht -, das ist für mich ein ganz wesentlicher Grund gewesen, überhaupt meine Bilder der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Zunächst unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation, die auf praktisch demselben Grundprinzip basiert[3], und später unter den Creative-Commons-Varianten CC-BY und CC-BY-SA 3.0.

Ich freue mich über jede einzelne Nutzung eines meiner Bilder im Internet und anderswo (z.B. in Printmedien). Die einzige Voraussetzung, die gegeben sein muss, ist, das sich jemand nicht nur einfach mein Bild nimmt, sondern mir auch die vereinbarte Gegenleistung zugesteht. Die besteht zum einen in der Namensnennung, zum andern in der Mitteilung der Lizenz bzw. der Lizenzbedingungen.

Ein Beispiel

Dafür hier ein willkürlich herausgegriffenes Beispiel:

Ein Ausschnitt aus meinem Bild des damaligen Bayerischen Kultusministers Siegfried Schneider, aufgenommen im Oktober 2005 im Saal des Alten Rathauses in München. Die Lizenzangabe auf www.telemedicus.info ist nicht 100% korrekt. Denn nur durch die Angabe von CC ist ja nicht klar, welche Creative-Commons-Lizenz genau gilt. Aber auf dem CC ist ein Link auf die vereinfachte Zusammenfassung der Lizenz CC-BY-SA 3.0, auf meinem Namen ein Link auf die Bildbeschreibungsseite in der deutschen Wikipedia. Und deshalb bedanke ich mich auch ausdrücklich dafür, dass mein Bild auf telemedicus.info verwendet wird.

Was mich betrifft, so kommt es mir nämlich nicht darauf an, dass die Lizenzbedingungen bis auf den letzten Buchstaben penibelst befolgt werden. Das müsste dann ungefähr so aussehen:

‘Foto: Michael Lucan GFDL oder CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons’

Die Angabe der Bildquelle (sei es ‘Wikimedia Commons’ oder ‘Wikipedia’) wird nicht von der Lizenz verlangt, sondern ist – aus meiner Sicht – eher eine Sache der Höflichkeit. Gerade bei der Verwendung in einem Inline-Link (wenn also das Bild auf einer Webseite direkt mit der Wikipedia-/Wikimedia-Commons-URL eingebunden wird) aber sollte man das durchaus mit angeben, denn – Nehmen und Geben – man nutzt ja dann die Wikipedia-Infrastruktur für eigene Zwecke und sollte wenigstens die Qellenangabe dafür geben.

Wichtig für mich ist, dass mein Name genannt wird und das die Lizenz wenigstens genannt, besser noch verlinkt, wird. Mir kommt es besonders darauf an, dass ich merke: die Bildnutzung beruht auf dem Prinzip Geben und Nehmen. Es ist keine Einbahnstraße, kein Ausnutzen meiner Arbeit, meiner Freigiebigkeit. Es ist kein egoistisches Übernehmen meiner Leistung ohne die geringste Gegenleistung.

Ein weiteres Beispiel

Noch ein Beispiel für eine Bildverwendung, die die Lizenzbedingungen nicht zu 100% erfüllt:

In diesem Fall hat der Heise-Verlag an dem Bild meinen Namen (und die Bildquelle) angegeben, aber nicht die Lizenz. Und er hat auch übersehen, den Urheber der Version meines Bildes von Erwin Huber (CSU), das mit einem Schleier kombiniert wurde, anzugeben. Also denjenigen, der das Bild bearbeitet hat. Vielleicht ist es Peter Mühlbauer, der Autor des übergeordneten Artikels “Verschleierung – Pro und Contra”.

Der Heise-Verlag hat nun aber immerhin auf der Namensangabe und der Angabe der Bildquelle einen Link auf eine Seite mit ausführlicheren Angaben zum Bild gesetzt: http://www.heise.de/tp/artikel/25/25543/s1.html.

Und dort erscheint dann dies:

Und im Gesamtbild ist dies mehr als ausreichend[4]. Und daher geht mein Dank an Peter Mühlbauer und den Heise-Verlag.

Und noch ein Beispiel

Noch ein Beispiel soll hier folgen, diesmal von der Webseite einer Privatperson (und auch hier nicht zu 100% korrekt):


Mein Bild von Miriam Krause; zur Zeit der Aufnahme war sie regelmäßig in der Serie “Sturm der Liebe” zu sehen. Name usw., alles steht da. Das schaut doch gut aus! Was ist da nicht korrekt?

Nun, es ist zwar die Lizenz angegeben (‘GFDL’), aber der Lizenztext ist nicht verlinkt. Die GNU-Lizenz für freie Dokumentation schreibt nämlich nicht nur vor, dass die Lizenz genannt werden muss, sondern dass der gesamte Lizenztext – und zwar in der allein verbindlichen englischsprachigen Originalfassung – auf derselben Webseite (hier also: auf www.bedeutung-von-namen.de) vorgehalten und verlinkt sein muss. Es sei denn, der gesamte Lizenztext erscheint direkt am Werk. Zudem ist – denke ich – “GFDL” allein etwas zu kryptisch, um einem durchschnittlichen Seitenbesucher die Information zu geben: “Dieses Bild steht unter der GNU-FDL und darf unter Einhaltung der entsprechenden Lizenzbedingungen weiterverwendet werden.” Wird der Lizenztext angegeben bzw. verlinkt, dann ist das klar.

Warum bedanke ich mich dennoch bei Steven Maier, dem Inhaber der Webseite www.bedeutung-von-namen.de?

Weil er meinen Namen nicht unterschlagen, sondern deutlich lesbar und am Bild angegeben hat. Und weil deutlich zu erkennen ist, dass er die Lizenzbedingungen einhalten will. Das ist in diesem Fall im Zusammenspiel mit den Angaben im Impressum[5] für mich – nicht zu 100%, aber dennoch – OK.
Denn diese Angaben bestätigen hier den Eindruck, den die vorgenommene Kennzeichnung auf mich macht: Es ist dem Seitenbetreiber nicht egal, woher er die Bilder für seine Webseite nimmt, er arbeitet nach dem Prinzip Nehmen und Geben.
Und dann darf er auch gerne auf seiner Seite Google-Ads (nicht nur die im Beispiel abgebildeten) verwenden, wie er will.

Ich denke aber, eine Bitte, die Lizenzbezeichnung wenigsten mit dem Lizenztext (irgendwo im Internet) zu verlinken, wäre hier angebracht, wenn man die Angabe ganz lizenzkonform haben will. Nicht jedoch: eine Abmahnung.

Fußnoten

  1. Gerade diejenigen, die Ihr Geschäft auf der Basis einer Ich-Ich-Ich-Einstellung betreiben – und dabei gerne mal Bilder aus Wikipedia unterstützend einsetzen -, erheben diesen Vorwurf oft: Sie klagen an, wie man nur so derart an sich selbst denken und so tief sinken könne, wahlweise ein ehrenamtliches Engagement, eine private Initiative, ein gesellschaftlich sinnvolles Projekt, eine künstlerische Aktion, usw. kaputt machen zu wollen.
    Solche Menschen sehen Dich an und projizieren alle ihre schlechten Eigenschaften auf ihr Gegenüber; und dann beschreiben sie ihre Projektion und damit: sich selbst. Das ist die Ich-Ich-Ich-Einstellung, mit der man oft Gefahr läuft, sein Projekt selbst kaputt zu machen. Ein Trauerspiel.
  2. zitiert nach http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/legalcode.de
  3. s. Kapitel Beabsichtigter Zweck auf http://de.wikipedia.org/wiki/GNU-Lizenz_für_freie_Dokumentation
  4. Im Gesamtbild, also unter Berücksichtigung aller Umstände. Das bedeutet übrigens keineswegs, dass ich etwa grundsätzlich damit einverstanden wäre, wenn jemand eine Autoren- und Lizenzangabe durch eine Verlinkung auf eine andere Webseite, die diese Angaben vorhält, vorzunehmen versucht. In der Regel ist das eben nicht ausreichend!
  5. Im Impressum der Seite heißt es: “Der Sitebetreiber ist bemüht die Urheberrechte der verwendeten Grafiken … zu beachten. (…) Sollte es doch einmal zu einer Verletzung von Urheber- oder Kennzeichenrechten kommen, bittet der Sitebetreiber um Benachrichtigung und wird diesen Mißstand schnellstmöglich abstellen.”
    Um Mißverständnisse zu vermeiden: Wenn in anderen Fällen nichts (oder beispielsweise auch so etwas wie “Foto: © Wikipedia”) an meinem Bild steht, dann empfinde ich solche Angaben im Impressum und die ganze Vorgehensweise als Frechheit – und als das genaue Gegenteil einer angeblichen Bemühung, Urheberrechte einzuhalten. Hier ist es OK. Es kommt eben auf die Umstände an.